04.01.2021

Vor klinischen Tests: Antikörper sollen Corona-Virus neutralisieren

Ein deutsches Konsortium von Uni-Forschern und dem Pharma-Unternehmen Boehringer Ingelheim testet humanen Antikörper in der Klinik, der das Corona-2-Virus neutralisieren soll.

Abbildung oben: SARS-CoV-2-Viruspartikel, gesehen durch ein Elektronenmikroskop (Bild li. © NIAID; Bild re. © Dr. Clarissa Read/Universität Ulm); Infografik unten: aktuelle und zukünftige Covid-19-Therapieoptionen (© Boehringer Ingelheim).

 

 


Zwei deutsche Antikörper-Therapien am Menschen getestet

Impfstoffe beherrschen gerade die Schlagzeilen zum Kampf gegen das SARS-Coronavirus-2 (SARS-CoV-2). Dabei tritt mitunter in den Hintergrund, dass es ebenso dringend Wirkstoffe und Therapien gegen die vom Virus ausgelöste komplexe Covid-19-Erkrankung braucht.


Ein deutsches Konsortium von Uni-Forschern und dem Pharma-Unternehmen Boehringer Ingelheim testet jetzt einen humanen Antikörper in der Klinik, der das Corona-2-Virus neutralisieren soll.


(Zeitgleich kündigte das deutsche Biotech-Unternehmen Corat Theraupeutics an, mit seinem humanen SARS-CoV-2-Antikörperkandidaten im Januar in die klinische Testung zu gehen. Die Daten hierzu wurden bislang auf einem Preprint-Server veröffentlicht, also noch ohne Peer Review.)

 

Ersten Probanden wurde der neue Antikörper namens BI 767551 (DZIF-10c) im Rahmen der zugelassenen klinischen Phase 1/2a-Studie bereits verabreicht. BI 767551 soll als neue therapeutische und präventive/prophylaktische Behandlungsoption entwickelt werden.

Schutz und Therapie
Virus-neutralisierende Antikörper könnten sowohl vor einer Infektion schützen als auch leichte und schwere Krankheitsfälle behandeln, teilt das akademisch-industrielle Konsortium mit.

 

Untersucht wird auch, ob sich der neue Antikörper zur Postexpositionsprophylaxe eignet. Hierbei wird er Personen verabreicht, die mit dem Virus in Kontakt gekommen, aber noch nicht erkrankt sind. Die Hoffnung: durch direkte inhalative Gabe in die Lunge könnte BI 767551 seine Schutzwirkung gegen eine Virusinfektion schneller entfalten.

Antikörper-Entwicklung teilweise entschlüsselt
Forschern um Florian Klein von der Uniklinik Köln und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) war es gelungen, Teile der Entwicklung dieser neutralisierenden Antikörper zu entschlüsseln und gleichzeitig hochpotente neutralisierende Antikörper gegen SARS-CoV-2 zu isolieren. Die Antikörper wurden zusammen mit Boehringer Ingelheim in Biberach weiter charakterisiert und entwickelt. Die Arbeit war im Juli 2020 hochrangig publiziert (DOI) worden.

 

Zuvor hatten Wissenschaftler im Blut genesener Covid-19-Patienten nach Antikörpern gegen Sars-CoV-2 gesucht. Aus Sars-Co-V-2 spezifischen B-Zellen, die zuvor auf Einzelzellebene untersucht und deren Antikörperbildung in Teilen entschlüsselt wurden, bauten die Forscher 255 Antikörper im Labor nach. Diese wurden auf ihre Neutralisierungsaktivität gegen Sars-CoV-2 untersucht; 28 davon zeigten eine wirksame Neutralisierung.

 

Systemische und inhalative Gabe
Bei den jetzt durchgeführten Phase-1- und 2a-Studien (NCT04631705, NCT04631666) werden die Sicherheit, die Pharmakokinetik und die antivirale Aktivität des Antikörpers untersucht. In Phase 1 wird der Antikörper entweder über eine einmalige Infusion oder über eine einmalige Inhalation verabreicht. Wenn der Antikörper hier eine gute Verträglichkeit zeigt, soll er in weiter fortgeschrittenen Studienphasen weiter untersucht werden.

 

(Quellen:  DZIF et al., 08.07.2020DZIF, et al.: 18.12.2020, Corat Thearpeutics: Human SARS-CoV-2 neutralizing antibody COR-101 demonstrates high efficacy in a COVID-19 animal model and is ready to be used in clinical studies to treat COVID-19 patients, 18.12.2020)
 

 

 



Klinische Studien im Verbreitungsgebiet des BioPharmaCluster South Germany


Uniklinikum Ulm | Studie zu mesenchymalen Stammzell-Exomen: ISRCTN33578935
 

DRK-Blutspendedienst Hessen-Baden-Württemberg | 2 Studien zum Einsatz von Plasma Genesener: NCT04433910 und EUCTR2020-001310-38-DE
 

Boehringer Ingelheim | 3 Studien — eine Studie zu BI 764198; zwei Studien zum Einsatz von Alteplase (Actilyse): NCT04640194 und EUCTR2020-002913-16-DE
 



Grundlagenorientierte Corona-Forschung an der Universität Ulm

Erfolgreiche Anträge für die Fokus-Förderung zu COVID-19 der Deutschen Forschungsgemeinschaft: vier Projekte der Universität Ulm und des Universitätsklinikums Ulm

uni ulm intern - Das Ulmer Universitätsmagazin Nr. 353 (Sep. 2020): Forschungsprojekte und Studien zum Coronavirus
 



Weitere mit Landesmitteln geförderte Corona-Forschung

#CovidScienceBW
 



Noch mehr Links zur Corona-Forschung

Medikamentöse Therapie bei COVID-19 mit Bewertung durch die Fachgruppe COVRIIN am Robert Koch-Institut

EU-Klinisches Studien-Register

Cochrane-Studienregister

Übersicht über laufende FuE zu Medikamenten gegen Coronavirus-Infektion Covid-19 — national, international, systematisierend

 

 

 





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