09.12.2020

Boehringer Ingelheim kauft Labor Dr. Merk

Übernahme in der Nachbarschaft: Boehringer Ingelheim verstärkt mit Erwerb des Biotech-Unternehmens Labor Dr. Merk & Kollegen seine immunonkologischen F&E-Aktivitäten.

 

GMP-Produktion: Im Gegensatz zur großtechnischen Antikörperproduktion in Reaktoren mit über 10.000 Litern sind die Chargen für virale Therapeutika deutlich kleiner. © Labor Dr. Merk & Kollegen GmbH

 

 

 

Boehringer Ingelheim übernimmt das Biotech-Unternehmen Labor Dr. Merk & Kollegen (LMK) in Ochsenhausen. Dies gab der Pharmakonzern heute bekannt, dessen größter Forschungs-und Entwicklungsstandort Biberach gerade mal 15 Kilometer von LMK entfernt ist.

Über die Kaufsumme vereinbarten beide Unternehmen Stillschweigen. Die Übernahme wird rechtskräftig, sobald die deutsche Wettbewerbsbehörde zugestimmt hat. Alle Mitarbeiter von LMK werden übernommen, der Standort Ochsenhausen wird als „neue Einheit in die Entwicklungsorganisation integriert und weitergeführt, teilte der Käufer mit.

Mit der Akquisition will der Pharmakonzern seine Forschungsaktivitäten zur Entwicklung virusbasierter Therapien ausweiten und beschleunigen. Diese umfassen onkolytische Viren, wie den Vesikulären Stomatitis-Virus (VSV) mit modifiziertem Glykoprotein (GP), und Krebsimpfstoffe.

 

Ausbau des onkologischen Portfolios
Mit der LMK-Übernahme sieht Boehringer Ingelheim seine „aussichtsreiche Onkologie-Pipeline mit Schwerpunkten in der Immunonkologie und Tumorzell-gerichteten Wirkstoffen“ gestärkt. „Wir haben viele potenzielle „First-in-Class“-Therapien für Krebsarten, für die es bisher keine zufriedenstellenden Therapieoptionen gibt,“ sagt Dr. Michel Pairet, Mitglied der Unternehmensführung und für Innovationen Verantwortliche.

„Durch die vertrauensvolle und fruchtbare Zusammenarbeit mit Labor Dr. Merk & Kollegen konnten wir bereits große Fortschritte auf dem Gebiet der virusbasierten Krebstherapien machen. Wir werden das Team von Labor Dr. Merk & Kollegen herzlich willkommen heißen und freuen uns auf weitere gemeinsame Durchbrüche,“ so Pairet weiter.

 

Gefragte virologische Exzellenz
LMK hatte in den vergangenen Jahren einen Strategiewechsel zu einem CDMO für virale Therapeutika vorgenommen und war auf zuletzt 130 Mitarbeiter angewachsen. Mit Boehringer Ingelheim hatte das Familienunternehmen seit 2018/19 bereits eine strategische Partnerschaft gepflegt, sagte Dr. Ingrid Rapp, geschäftsführender Gesellschafterin von LMK auf Anfrage. Seit 2015 arbeiteten beide Unternehmen bei viralen Therapeutika zusammen, eine  intensive Kooperation besteht jedoch schon 2004.

Strategisch fügt sich die aktuelle Übernahme in die wachsenden Bemühungen von Boehringer Ingelheim zur Stärkung seines immunonkologischen Portfolios. Zu den derzeitigen Forschungsschwerpunkten zählt der Pharmakonzern Krebsimpfstoffe, onkolytische Viren, T-Zell-Engager, Stromamodulatoren und myeloische Zellmodulatoren.

2019 hatte der Konzern das schweizerische Biotech Amal Therapeutics (Genf) übernommen, das sich auf schwer therapierbare Magen-, Darm- und Lungenkrebsarten spezialisiert hat und über eine patentgeschützte peptid-/proteinbasierte Impftechnologie verfügt. Ein Jahr zuvor hatte Boehringer Ingelheim für 210 Mio. Euro Vira Therapeutics übernommen. Das ehemalige Spin-out der Universität Innsbruck ist auf die Erforschung von Therapien mit onkolytischen Viren spezialisiert.

 

Ochsenhausen wird zum vollintegrierten Zentrum für virale Therapeutika
Die Plattformprojekte dieser Unternehmenstöchter will der Konzern laut Pressemitteilung am Standort Ochsenhausen weiter für die Klinik entwickeln. Dort soll ein vollständig integriertes Zentrum für die Entwicklung und Herstellung von Krebsimpfstoffen und onkolytischen Viren errichtet werden.

Zuletzt hatte LMK einen zweistelligen Millionenbetrag in den Strategiewechsel investiert und im November 2019 die GMP-Herstellerlaubnis für virale Therapeutika vom zuständigen Regierungspräsidium Tübingen erhalten. Am Standort Ochsenhausen ist derweil eine Erweiterung der Kapazitäten in die Wege geleitet worden. Im ersten Quartal 2021 entsteht Baurecht, so hofft man bei LMK, Ende 2021 soll mit dem Bau begonnen, 2023 dieser abgeschlossen sein.


Gesellschafter und Mediziner Dr. Johannes Merk zeigte sich hoch erfreut über diese synergistische Lösung, wohl wissend, dass Entwicklungen, die sich in Richtung Klinik, sprich Patient, bewegen, einen größeren Partner an der Seite brauchen.  

 
Bücheler: Hohe Expertise vor Ort
Der Vorstandsvorsitzende des BioPharma Cluster South Germany, Prof. Uwe Bücheler, stellte in seiner kurzen Stellungnahme den Ausbau der ATMP-Expertise in den Vordergrund: „Mit dem Kauf von Labor Dr. Merk & Kollegen wird Boehringer Ingelheim seine Forschung & Entwicklung sowie seine klinischen Produktionskapazitäten für ATMP (Arzneimittel für neuartige Therapien) im Bereich Immunonkologie stärken. Die Übernahme ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Synergien, die durch die hohe Expertise vor Ort geschaffen werden können, um die Entwicklung neuartiger Therapien für Patienten voranzutreiben."

 

 

 

 

Quellenangabe

Boehringer Ingelheim. (2020, 09. Dezember). Boehringer Ingelheim verstärkt mit dem Kauf von Labor Dr. Merk & Kollegen seine immunonkologische Forschung und Entwicklung [Pressemeldung].

 

 

 





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