Neues Graduiertenkolleg will mit künstlichen Organen Krebstherapie verbessern
Ab diesem Frühjahr startet an der Universität Ulm ein neues Graduiertenkolleg, das sich mit Organoiden beschäftigt. Die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) fördert Org-BOOST über zunächst fünf Jahre mit knapp neun Millionen Euro. Dies teilt die Universität Ulm mit.
Mikroskopische Aufnahme einer Kokultur aus patientenabgeleiteten Harnblasen-Organoiden und zugehörigen krebsassoziierten Fibroblasten. Die Immunfluoreszenzbilder zeigen Tumororganoide der Harnblase (rot) eingebettet in einem fibroblastären Tumorumfeld (grün); Zellkerne sind blau (DNA) (Abbildungen: Dr. Michael Melzer, Prof. Alexander Kleger, Simon Brüne / Universität Ulm)
Ziel des neuen Kollegs ist es, Tumorgewebe im Labor möglichst realitätsnah nachzubilden und neue Ansätze für eine personalisierte Krebsmedizin zu entwickeln. Im neuen Kolleg werden 20 Promovierende in den Lebenswissenschaften sowie zehn Medizinerinnen und Mediziner forschen.
Organoide werden im Labor aus Stamm- oder Tumorzellen von Krebskranken gezüchtet. Sie ahmen die individuellen Eigenschaften von Organen oder Krebsgewebe einzelner Patienten und Patientinnen nach und sollen eine maßgeschneiderte Therapieplanung ermöglichen, deren Wirksamkeit vorab im Labor getestet werden kann. Um das Zusammenspiel des Tumors mit seiner Mikroumgebung zu verstehen, werden Tumororganoide auch mit Immunzellen, Bindegewebe und Blutgefäßzellen zu sogenannten Assembloids kombiniert.
„Wir bringen das Tumorgewebe einzelner Patientinnen und Patienten gewissermaßen in die Petrischale“, erläutert Professor Alexander Kleger (im kleinen Foto: rechts, daneben Co-Sprecher Jun.-Prof. Markus Breunig und Dr. Mirja Harms. Er ist Direktor des Instituts für Molekulare Onkologie und Stammzellbiologie am Universitätsklinikum Ulm und Sprecher des Graduiertenkollegs. „So können wir sehr präzise untersuchen, welche Kombinationen aus genetischen Veränderungen, Immunantwort und Mikroumgebung darüber entscheiden, ob ein Tumor aggressiv wächst oder auf eine bestimmte Therapie anspricht.“
Individuelle Tumororganoide durch automatisierte Verfahren
In zehn eng vernetzten Projekten widmet sich Org-BOOST unterschiedlichen Tumorarten – unter anderem der Bauchspeicheldrüse, der Harnblase, des Darms, der Brust sowie bösartigen Erkrankungen des Blutsystems.
Ziel ist es, gemeinsame Krankheitsmechanismen zu identifizieren, neue Biomarker zu finden und Ansatzpunkte für maßgeschneiderte Therapien zu entwickeln. Eine zentrale Rolle spielt dabei die von Kleger geleitete Ulmer Core Facility Organoids (CFO), eine Art „lebende Biobank“, in der Tumorproben gesammelt werden. Dank automatisierter Verfahren können dort individuelle Tumororganoide in hoher Zahl erzeugt und experimentell getestet werden. In Org-BOOST sollen diese Proben molekular charakterisiert und auch mit Methoden des maschinellen Lernens ausgewertet werden.
Das Graduiertenkolleg, so die Universität Ulm, bietet ein strukturiertes Qualifikationsprogramm mit organoidspezifischen Laborkursen, Retreats und innovativen Formaten. Org-BOOST wird in die International Graduate School in Molecular Medicine Ulm (IGradU) integriert und ist eng mit dem Ulmer 3R-Zentrum i3RU und dem Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU) verknüpft. Durch den systematischen Einsatz humaner Organoide sollen Tierversuche reduziert und unvermeidbare in vivo-Modelle besser vorbereitet werden.
(Quelle: Pressemitteilung Universität Ulm, 17.12.2025)